Dienstag, 4. Mai 2010

Ich existiere wirklich in Montreal…

… aber nicht allein dadurch, dass ich da bin ;-). Heute musste ich feststellen, dass in den ersten Wochen gar nichts geht ohne Pass und die Bestätigung des Status als „permanent resident“ (eine Durchschrift des echten Papiers). Ohne diese beiden ja wirklich lebenswichtigen Dokumente geht hier gar nichts und ich wäre wirklich für die Behörden nicht existent.
Das musste ich heute selber feststellen, als ich bei der Behörde zur Sozialversicherung ankam und mir eine Nummer geben lassen wollte. Zuerst hatte ich nämlich nur die Bestätigung meines Status mit, weil in der Broschüre (wie man diese Nummer erhält) nichts davon stand den Pass mitzubringen. Zum Glück war die Behörde nur ca. 15 Minuten Fußweg von unserer WG weg und so konnte ich ohne große Probleme nochmal zurück gehen und wieder hin. Beim zweiten Anlauf hat es dann auch sofort geklappt. Ich musste gar nicht lange warten und hatte einen sehr netten Beamten. Der begrüßte mich doch tatsächlich mit „Guten Morgen“. Er erklärte mir, dass er in 30 Sprachen „Guten Morgen“ sagen kann um die neuen Immigranten in ihrer Sprache zu begrüßen. Richtig nett, oder? Innerhalb einer Viertelstunde hatte ich dann ein Papier mit meiner Sozialversicherungsnummer in der Hand. (Die Karte kommt später per Post)
Dies war eine wichtige Errungenschaft, da auf dem Papier auch meine jetzige Adresse steht. Ohne einen offiziellen Beleg des Wohnsitzes geht hier nämlich gar nichts. Da es keine Meldebehörde wie bei uns gibt, kann man seinen Wohnsitz nur belegen, indem man einen Brief vorzeigt von staatlicher oder offizieller Seite, den man per Post bekommen hat, oder wo die Adresse drauf steht. Und hat man halt noch keine Post bekommen steht man da. Persönliche Post ist natürlich ausgeschlossen. Aber nun hatte ich ja endlich meinen ersehnten „preuve d´adresse“ und konnte Behördengang Nummer zwei unternehmen.
Ohne Pass, Bestätigung der Aufenthaltsgenehmigung und der Adresse (also in meinem Fall des Zettels von der Sozialversicherungsnummer) bekommt man nämlich erst gar keinen Termin bei der Bank um ein Konto zu eröffnen!!! Zum Glück hatte mein Einwanderungsratgeber diesmal nichts vergessen aufzulisten und ich hatte alles dabei. Jetzt habe ich einen Termin um ein Konto zu eröffnen und hoffentlich dann auch bald eins :-).
Den Rest der Behördengänge habe ich am Telefon erledigt, bis ich dann genug für heute hatte und keine Lust mehr auf Warteschleifen hatte. Zunächst habe ich mich für ein einwöchiges kostenloses Seminar zum Arbeitsmarkt etc. in Quebec angemeldet. Dann habe ich mir für das Umschreiben meines Führerscheins einen Termin geholt. Zwar gibt es eine Vereinbarung zwischen Québec und Deutschland und mir wird der Führerschein ohne weitere Fahrstunden oder Theorie anerkannt, aber dieses kleine Kärtchen ist ja auf Deutsch! Folglich muss ich nun erst mal diese kleine Karte übersetzen lassen!!!! Unglaublich. Und der internationale Führerschein wird auch nicht genommen. Also musste ich nochmal nach einem Übersetzter im Internet suchen und dort anrufen. Morgen bringe ich dann den Führerschein vorbei und da es ja so ein kleines Kärtchen ist, kann mir die Übersetzerin das auch in einer Woche machen. Und dafür muss ich dann leider auch noch 30 Dollar zahlen für dieses kleine Kärtchen (ich kann das immer nur betonen, weil da ja echt nichts draufsteht). Na ja, was man nicht alles tut dem Autofahren zu liebe ;-) Das ganze Anerkennen kostet wiederum nochmal 200 Dollar und da ich ja erst ein halbes Jahr fahre bekomme ich auch hier nochmal 15 Monate Probezeit. Tja, Pech gehabt. Ich dachte doch, ich könnte den Rest meiner Probezeit einfach überspringen. Jetzt hoffe ich nur, dass nach der Probezeit hier nicht nochmal eine Prüfung kommt. Ich fahre ja nicht im Moment und bin aus der Praxis!
Tja und bei all dem Rumgerenne und der Telefoniererei war dann auch mein zweiter Tag in Montreal schnell vorbei. Und ich vollkommen erledigt ;-)

PS für die männlichen Leser: Also die Autos hier und der Fahrstil der Leute ist echt eine Nummer für sich. Gerade der Zustand der Autos. Halb-verrostet mit Beulen und Löchern ist hier fast jedes dritte Auto. In Deutschland wäre sowas nicht mehr durch den TÜV gegangen! Mein französischer Mitbewohner ist da genauso entgeistert wie ich und hat schon so einige angsteinflösende Heimfahrten bei quebecischen Freunden erlebt. Obwohl hier eigentlich die Grenze 0,0 Promille ist. Aber da finden wir eine Gemeinsamkeit mit den Deutschen. Die Quebecer sind ebenfalls ein sehr trinkfreudiges Völkchen ;-)

1 Kommentar:

  1. Puh, da ist man ja schon nach dem Lesen ganz ko von dieser Bürokratie!!:-)
    aber gut gemacht!! Ganz viel Erfolg weiterhin!!

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