Montag, 3. Mai 2010

Meine ersten Schritte in Kanada

Gestern abend um 18:55 war es soweit und ich habe nach fast zwei Jahren wieder einen Schritt auf kanadischem Boden gemacht. Obwohl mir der Abschied wirklich schwer viel und ich manchmal doch lieber dageblieben wäre, wurde ich seit meiner Ankunft vom Gegenteil überzeugt. Nach einem ruhigen Flug von Frankfurt nach London, kam ich dort überall gut durch die Sicherheitskontrollen und hatte noch viel Zeit. Aus leidvoller Erfahrung hatte ich auch noch daran gedacht, meinen Vater um seine Rest Pfund (3, 45 Pfund!!) zu erleichtern (die von einer Reise übrig waren). Denn ja, in London muss der Euro-Besitzer auf einmal feststellen, dass hier nur Pfund genommen werden. Aber da ich ja vorgesorgt hatte, konnte ich mir für die 3, 45 Pfund doch tatsächlich ein Getränk leisten. Auch der zweite Teil meiner Reise verlief gut. In Montreal landete ich pünktlich und nun war ich schon sehr gespannt, was mich bei der Einwanderungsbehörde erwarten würde. Miesgelaute Beamte, lange Wartezeiten, überkleinliche Kontrolle aller Dokumente, was man halt immer so hört. Jedoch hatte ich einen sehr netten Beamten und war auch innerhalb einer halben Stunde fertig. Es war auch alles viel einfacher, so wurden nicht etliche Dokumente (Zeugnisse, Referenzen, Führerschein)nachgeprüft, sondern wirklich nur die von der Botschaft. Und ich kann nur sagen, dass sich beim Einwandern die deutsche Gründlichkeit und Ordnungsfreude doch auszahlt. So hat meine in mühevoller Kleinstarbeit angefertigte Liste mit Photos aller Inhalte meiner Koffer und Pakete Verwendung gefunden. Wer weiß, sonst hätte ich das wohl dort vor Ort alles aus dem Gedächnis aufschreiben müssen. Und was man da so beim Warten von den anderen Leuten mitkriegt: fehlende Dokumente, nicht-abgeschlossene Aufenthaltsgenehmigung etc. In so einem Fall ist man dann echt dem jeweiligen Beamten ausgeliefert. Ist er freundlich gestimmt, gibt er einem ein Touristenvisum und die Ermahnung seine Papiere zu richten. Ist er allerdings schlechter Laune, wird man hop di dop mit dem nächsten Flugzeug in seine Heimat zurückgeschickt. Zum Glück war das ja bei mir nicht der Fall. Auch mein Gepäck wartete schon auf mich und zum Glück konnte mich mein Mitbewohner abholen. Und nun das tollste: mich erwarteten milde 25 Grad und eine laue Abendnacht.
Nach einer doch relativ ruhigen Nacht, ging heute nun mein erster Tag als „Canadian resident“ statt. Zum Glück habe ich keine großen Probleme mit der Zeitumstellung und konnte fast 8 Stunden ohne große Wachpausen oder Hungerattacken schlafen. Nur an die etwas andere Geräuschkulisse (Kranken- und Polizeisirene) muss ich mich noch gewöhnen. Ich schrecke immer hoch, weil ich denke ich bin einem amerikanischen Film!!. Das hört sich halt total anders an als das deutsche „tatütata“!

Heute morgen wurde ich erstmal mit einem leckeren Frühstück von meinem Mitbewohner Joe verwöhnt. Da ich ja wirklich nichts im Kühlschrank hatte ;-)!!! Dabei haben wir uns viel unterhalten und ich bin richtig froh bei jemandem zu wohnen, den ich schon kenne. Bei lauter Fremden um mich wäre ich sicher vor Heimweh schon eingegangen. Da Joe gerade, ebenso wie gewisse meiner Familienmitglieder ;-), auf einer Art Diät (keine Kohlenhydrate) ist, gab es Salat und Eier. Und einen seiner leckeren selbstgemixten Frühstücksmoothies.
Da ja nun eine kleine Sportskanone bei ihm wohnt, motivierte das Joe und er schlug vor doch gleich zusammen schwimmen zu gehen. So war ich dann heute Mittag mit ihm im Schwimmbad gegenüber. Und welch ein Wunder, meine Karte von vor fünf Jahren gilt noch! Nach einigen Rundenlockeren Schwimmens, gings dann zurück. Na ja als Kielerin und Wasserratte ist sowas ja nicht weiter verwunderlich. Da ich ja nun bis dahin immer noch nicht zum Einkaufen gekommen war, musste Joe mir nun auch noch Mittagessen spendieren. Um ja nicht aus der Diät zu fallen, Salat mit Thunfisch und Obst zum Nachtisch ;-).
Dann kam auch endlich mein anderer Mitbewohner, ein Franzose, und auch sehr nett. Und dann konnte ich endlich zum Einkaufen. Zum Glück liegen ein IGA-Supermarkt und Pharmaprix (Drogerie) gleich um die Ecke. Und was musste ich dort sage und staune entdecken: Endlich muss man auch in Kanada für die Tüten bezahlen. Bis vor zwei Jahren bekam man die fast nachgeschmissen. Selbst wenn man mit seinem Stoffbeutelchen kam, konnte man die Sachen kaum so schnell selbst einpacken, wie sie doch in Plastiktüten steckten. So habe ich mich jetzt erstmal bis morgen mit Essen versorgt. Bis man sich dann wieder einen Grundstock an Grundnahrungsmitteln angelegt hat, muss ich wohl noch jeden Tag einkaufen.
Ansonsten war dieser Tag wirklich eher ruhig und meine einzige Aufgabe war, bei der kanadischen Krankenversicherung anzurufen und mich auf die Warteliste setzten zu lassen (man muss drei Monate warten) und ein Formular geschickt zu bekommen. Sobald ich das habe, geht´s dann richtig los mit den Behördengängen. Für morgen habe ich mir schon einen Schlachtplan zurecht gelegt ;-) Und davon hört ihr dann das nächste Mal.

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